
Ein aktuelles Beispiel ist eine Untersuchung von Greenpeace zu den „Iconic Puffer“-Jacken von C&A. Laut Greenpeace Österreich wurden bei Laboruntersuchungen in mehreren Jacken PFAS-Substanzen nachgewiesen, wobei einige Werte Berichten zufolge die aktuellen EU-Grenzwerte überschritten. C&A entgegnete, dass seine Produkte auf der Grundlage von Tests akkreditierter Labore den geltenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen, und erklärte, dass sich die Ergebnisse von Greenpeace auf neue PFAS-Testverfahren beziehen, die mit künftigen Vorschriften in Verbindung stehen, und nicht auf die derzeitigen gesetzlichen Verpflichtungen.
Auch wenn die Details dieses konkreten Falls weiterhin Auslegungssache sind, unterstreicht er doch einen wichtigen Punkt für die Textilindustrie. Änderungen in der PFAS-Prüfmethodik können die Ergebnisse der Konformitätsprüfung erheblich beeinflussen.
Warum sich die Ergebnisse von PFAS-Untersuchungen ändern
Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, allgemein als PFAS bezeichnet, werden aufgrund ihrer Langlebigkeit in der Umwelt oft als „ewige Chemikalien“ bezeichnet. In der Textilindustrie wurden PFAS in der Vergangenheit in dauerhaften wasserabweisenden Ausrüstungen verwendet, um Wasser- und Ölabweisung zu gewährleisten. Da die Regulierungsbehörden Schritte unternehmen, um PFAS-Substanzen zu beschränken, entwickeln sich auch die Analysemethoden weiter, um diese Substanzen umfassender nachweisen zu können.
Eine wichtige Entwicklung ist die Veröffentlichung der europäischen Norm:
EN 17681-1:2025 Textilien und textile Erzeugnisse - Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)
Diese Norm führt die alkalische Hydrolyse ein, einen Aufbereitungsschritt, durch den PFAS-Verbindungen freigesetzt werden können, die zuvor in fluorierten Ausrüstungen gebunden waren. Infolgedessen können nun bei der Analyse Substanzen gemessen werden, die mit früheren Methoden nicht nachweisbar waren.
Das bedeutet, dass:
- Produkte, die zuvor mit älteren Methoden getestet wurden, können bei einer Analyse nach aktualisierten Standards höhere messbare PFAS-Werte aufweisen
- Die Produktzusammensetzung hat sich möglicherweise nicht geändert, doch der analytische Ansatz ist präziser geworden
- Dies kann sich auf behördliche Bewertungen und die Ergebnisse der Marktüberwachung auswirken
Zunehmender regulatorischer Druck in Bezug auf PFAS
Die PFAS-Vorschriften werden weltweit rasch verschärft. Mehrere Entwicklungen prägen derzeit das regulatorische Umfeld für die Textilindustrie. Auf EU-Ebene wird derzeit ein umfassender Vorschlag zur Beschränkung von PFAS geprüft, der die Verwendung von PFAS in vielen Branchen, darunter auch der Textilindustrie, erheblich einschränken könnte. Gleichzeitig führen einige Länder bereits nationale Beschränkungen für PFAS in Konsumgütern ein. So hat Frankreich bereits Beschränkungen für PFAS in verschiedenen Konsumgütern, darunter Bekleidungstextilien, eingeführt, die am 1. Januar 2026 in Kraft getreten sind. Dänemark wird ab dem 1. Juli Beschränkungen für PFAS in bestimmten Textilprodukten einführen, was den Druck auf Marken und Hersteller erhöht, sich auf strengere Anforderungen vorzubereiten. Auch die Marktüberwachung durch Behörden und Nichtregierungsorganisationen nimmt zu. Bereits auf dem Markt befindliche Produkte können unter Verwendung der aktuellsten Analysemethoden getestet werden. Dies stellt Unternehmen vor eine neue Herausforderung. Produkte, die zuvor Konformitätsprüfungen bestanden haben, können unter Verwendung aktualisierter Prüfprotokolle neu bewertet werden.
OEKO-TEX® wendet bereits die aktualisierten PFAS-Prüfverfahren an
OEKO-TEX® hat aktualisierte PFAS-Prüfanforderungen eingeführt, die von Mitgliedsinstituten wie TESTEX bereits seit dem 1. Oktober 2024 unter Anwendung von Methoden gemäss EN 17681-1:2025 umgesetzt werden. Dieser proaktive Ansatz gewährleistet, dass Produkte, die nach dem OEKO-TEX® STANDARD 100 geprüft oder zertifiziert werden, anhand modernster Analysemethoden bewertet werden, die den sich weiterentwickelnden regulatorischen Anforderungen Rechnung tragen. Regelmässige Zertifizierungsaktualisierungen tragen daher dazu bei, dass Produkte weiterhin die aktuellen Prüfanforderungen und Grenzwerte für Inhaltsstoffe erfüllen.
Warum freiwillige PFAS-Vorabtests Marken schützen können
Angesichts sich weiterentwickelnder Prüfverfahren und verschärfter Vorschriften überprüfen viele Marken derzeit ihre Strategien zur Einhaltung der PFAS-Vorschriften.
Freiwillige PFAS-Untersuchungen unter Einsatz modernster Methoden können Unternehmen dabei helfen:
- potenzielle PFAS-Risiken zu erkennen, bevor Marktüberwachungsmassnahmen oder Untersuchungen durch Nichtregierungsorganisationen stattfinden
- die Einhaltung neuer und künftiger Vorschriften zu überprüfen
- den Ruf der Marke und das Vertrauen der Verbraucher zu schützen
- Vertrauen bei der Markteinführung von Produkten in der EU zu gewährleisten
In vielen Fällen ermöglicht eine frühzeitige Prüfung den Unternehmen, Materialien oder chemische Zusammensetzungen anzupassen, bevor die behördlichen Fristen in Kraft treten.
Vorbereitung auf die nächste Phase der PFAS-Regulierung
Die Textilindustrie steht vor einer Phase bedeutender regulatorischer Veränderungen im Zusammenhang mit PFAS. Angesichts immer strengerer Auflagen und sich weiterentwickelnder Testverfahren gewinnt ein proaktives Compliance-Management zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Fälle aus der Praxis zeigen, dass Compliance-Risiken nicht nur aus der Produktformulierung resultieren können, sondern auch aus Änderungen der Analysemethoden, die zum Nachweis der Substanzen eingesetzt werden. Für Marken und Hersteller sind dabei zwei Massnahmen von besonderer Bedeutung.
Dieser proaktive Ansatz hilft Unternehmen dabei:
- bevorstehende PFAS-Beschränkungen zu antizipieren
- sich auf nationale Vorschriften vorzubereiten, wie beispielsweise die am 1. Juli in Kraft tretenden dänischen PFAS-Beschränkungen
Halten Sie Ihre Zertifizierung auf dem neuesten Stand
Zertifizierungssysteme wie der OEKO-TEX® STANDARD 100 erfordern eine regelmäßige Erneuerung und Prüfung gemäss den neuesten Kriterien. Die Aufrechterhaltung einer gültigen Zertifizierung trägt dazu bei, dass Produkte anhand der aktuellen Prüfanforderungen und gesetzlichen Grenzwerte bewertet werden.
Angesichts des zunehmenden regulatorischen Drucks und der sich weiterentwickelnden Prüfverfahren werden frühzeitige Tests und ein transparentes Chemikalienmanagement zu wesentlichen Bestandteilen von Compliance-Strategien für die Textilbranche.
TESTEX unterstützt Marken, Einzelhändler und Hersteller bei der PFAS-Prüfung unter Verwendung der neuesten Analysemethoden im Rahmen des OEKO-TEX®-Standards. Darüber hinaus hat TESTEX eine neue und hochinnovative Methode zur Non-Targeted PFAS-Analyse entwickelt. Dieser Ansatz ermöglicht das Screening von mehr als 10.000 bekannten und unbekannten PFAS-Verbindungen und hilft Marken und Herstellern dabei, potenzielle Risiken zu identifizieren, die über die aktuellen Vorschriften hinausgehen, und sich auf die nächste Phase der PFAS-Regulierung vorzubereiten.