
Für Marken, Hersteller, Händler und Lieferanten bedeutet dies, dass Produktinformationen vollständiger, zugänglicher und leichter überprüfbar werden müssen. Insbesondere für die Textil- und Lederindustrie wird erwartet, dass der DPP eine wichtige Rolle dabei spielen wird, wie Informationen zu Materialien, chemischer Sicherheit, Lieferketten und dem Umgang am Ende des Produktlebenszyklus erfasst und kommuniziert werden.
Was ist der Digital Product Passport?
Ein Digital Product Passport (DPP) ist ein digitaler Datensatz, der zentrale produktbezogene Informationen über den gesamten Lebenszyklus enthält. Er soll relevante Produktdaten strukturierter und zugänglicher bereitstellen.
Der DPP wird voraussichtlich Informationen enthalten wie:
- Produktzusammensetzung
- Produktionshistorie
- Reparierbarkeit
- Recyclinginformationen
- Umgang am Ende des Produktlebenszyklus
- relevante Nachhaltigkeits- und Kreislaufdaten
In der Praxis wird erwartet, dass ein Digital Product Passport in der Regel über digitale Datenträger wie QR-Codes, RFID-Tags oder ähnliche Technologien zugänglich ist. Dadurch können Produktinformationen direkt mit dem physischen Artikel verknüpft werden.
Der DPP soll über ein einfaches „Made in“-Label hinausgehen. Statt lediglich herkunftsbezogene Informationen anzuzeigen, soll er einen umfassenderen und detaillierteren Einblick in den gesamten Produktweg ermöglichen.
Warum der Digital Product Passport für Unternehmen in Europa wichtig ist
Der Anwendungsbereich des Digital Product Passport wird voraussichtlich breit gefasst sein. Er kann für alle Marken gelten, die Produkte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Das bedeutet, dass auch Unternehmen mit Sitz ausserhalb der EU betroffen sein können, wenn sie Produkte an Kunden in der Europäischen Union liefern.
Neben grossen Unternehmen werden voraussichtlich auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Anwendungsbereich fallen, hierbei werden Unterstützungsmaßnahmen für kleinere Betriebe noch diskutiert.
Für Unternehmen aus den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe und verwandten Sektoren ist eine frühzeitige Vorbereitung daher wichtig. Der DPP wird Unternehmen voraussichtlich dazu verpflichten, Produktinformationen systematischer als bisher zu erfassen, zu organisieren und zu kommunizieren.

Zeitplan für den Digital Product Passport: ESPR, Textilien und 2027
Der Digital Product Passport soll schrittweise eingeführt werden.
Ein wichtiger Schritt war die Verabschiedung der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, auch bekannt als Ecodesign for Sustainable Products Regulation oder ESPR, im Juni 2024. Diese Verordnung schuf die rechtliche Grundlage für den Digital Product Passport.
Bekleidung gilt als Produktkategorie mit hoher Priorität. Schuhe könnten später durch separate detaillierte Vorschriften behandelt werden.
Gemäss dem derzeit verfügbaren Fahrplan werden detailliertere textilbezogene Anforderungen an den Digital Product Passport voraussichtlich 2027 formell verabschiedet. Sobald die entsprechenden Vorschriften finalisiert sind, wird vor der vollständigen Umsetzung eine Übergangsfrist von etwa 18 Monaten erwartet.
Dieser stufenweise Ansatz gibt Unternehmen Zeit zur Vorbereitung. Gleichzeitig bedeutet er jedoch auch, dass Qualität, Struktur und Zugänglichkeit von Produktdaten zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.
Digital Product Passport Anforderungen und die Rolle vertrauenswürdiger Daten
Der Digital Product Passport entwickelt sich in eine Richtung, die strukturiertere Produktinformationen und eine stärkere Rückverfolgbarkeit erfordert. Auf Grundlage der derzeit öffentlich verfügbaren Informationen laufen Diskussionen sowohl über einen zentralen Systemansatz zur Verwaltung von Informationen als auch über eine dezentrale Struktur, die verschiedene Datenbanken und Datenquellen miteinander verbindet.
In beiden möglichen Ansätzen werden verlässliche und überprüfbare Daten entscheidend sein.
Für Textil- und Lederprodukte können relevante Daten Informationen zu folgenden Bereichen umfassen:
- Produktsicherheit
- chemische Einsatzstoffe
- Materialzusammensetzung
- Umweltleistung
- soziale Bedingungen in der Lieferkette
- Rückverfolgbarkeit und Transparenz
- kreislaufbezogene Informationen
Genau hier können bestehende Zertifizierungs- und Kennzeichnungssysteme besonders relevant werden.